Teilnahme am UNO-Weltgipfel zur Informationsgesellschaft

Die Schweiz nahm am letzten UNO-Weltgipfel über die Informationsgesellschaft (WSIS) teil, der 2005 in Tunis stattfand. Im Pavillon Suisse demonstrierte die Stiftung «Zugang für alle» und die Schweizer Initiative «Design for All» in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) die Barrieren von Menschen mit Behinderungen beim Zugang zu Informations- und Kommunikationstechnologien, und speziell im Internet. Es wurde aufgezeigt, wie die Barrieren durch technische Anpassungen behoben werden können und welche gesetzlichen Massnahmen dafür notwendig sind.

Die Demonstrationen fanden grosses Interesse bei den Delegationen, die aus der ganzen Welt angereist waren.

 

Die Abenteuer des Blindenführhundes Leo am UNO-Weltgipfel in Tunis

Maulkorb für Leo?

Am Montagmorgen um 5 Uhr beginnt die Reise für den Blindenhund Leo und seine Begleiter an den Uno-Weltgipfel in Tunis. Schon in Genf gab es die ersten Probleme. Damit Leo auch im Flugzeug ein bisschen Platz hatte, mussten die Plätze drei Mal umgebucht werden. Nachher wollte Tunisair unbedingt noch, dass Leo im Flugzeug einen Maulkorb trägt. Aber wer Leo kennt, weiss, dass er sich keinen Maulkorb umbinden lässt. Und so konnten alle schlussendlich doch mit einer halben Stunde Verspätung abfliegen.


Kein Zugang zur UNO für Leo

LeoDer erste Zugang zum Ausstellungs-Stand war am Dienstag leider alles andere als "zugänglich", insbesondere für Blindenhund Leo. Die Probleme begannen schon beim gut bewachten Hotel, vor dem uns der offizielle Konferenz-Bus nicht mitnehmen wollte. Der Grund: Blindenhunde seien in den Bus-Shuttles nicht zugelassen, versicherten uns der Fahrer und der ihm zugeteilte Regierungsmann nach Rücksprache mit ihren Vorgesetzten. Die uns begleitenden Sicherheitspolizisten wollten uns aber nicht auf das nächste Taxi warten lassen; "pour votre securité". Kurzerhand stoppten sie das nächste Taxi, liessen die verdutzten Fahrgäste aussteigen und instruierten den Fahrer, uns zum Konferenzgelände zu transportieren.

"Eigentlich sind Blindenhunde auch in den Taxis verboten", informierte uns der Fahrer auf dem Weg durch neu erschlossene Wüstenlandschaften. Doch er wolle keine Probleme mit der Polizei, daher drücke er heute ein Auge zu.

Am Eingang zum Konferenzgelände dann die nächste Hürde: Blindenhund Leo hatte keinen mit RFID ausgestatteten Sicherheits-Badge. Nach einigen Verhandlungen half das Wedeln mit einer ausgedruckten E-Mail-Anfrage an die Internationale Telekommunikations-Union ITU weiter, obwohl deren Englischer Inhalt vom Kontrollposten kaum zur Kenntnis genommen wurde.

Schwieriger wurde es am zweiten Kontrollposten. Das Taxi durfte nicht weiter Richtung Konferenzgelände fahren, da Taxis aus Sicherheitsgründen im Umkreis von mehreren Kilometern nicht zugelassen sind. Auch die allgegenwärtigen Taschen-Kontrollen waren zu Konferenzbeginn besonders gründlich, da der tunesische Präsident Zine El Abidine Ben Ali am Morgen den UNO-Weltinformationsgipfel besuchte.

Der Umstieg auf den Kleinbus gelang erst nach einer halbstündigen Verhandlung. Die Hostesse im Kleinbus flüchtete sich beim Anblick von Blindenhund Leo mit einem leisen Schrei des Entsetzens und einem grossen Satz aus dem Beifahrersitz ins Freie. Möglicherweise weil die Hundeerfahrung vieler Tunesier sich primär auf bissige Wachhunde erstreckt. Wenig förderlich war wohl auch die nicht eben vorzügliche Stellung des Hundes in Kultur und Religion.

Die letzte Hürde zeigte sich dann vor der an eine Flughafen-Kontrolle erinnernde Sicherheitsschleuse vor dem Konferenz-Gebäude. Hier half auch kein Wedeln mit E-Mails von der internationalen Telekommunikations-Union, denn jedes Papier wurde vom englisch-kundigen Sicherheitspersonal aufmerksam gelesen und als nicht-offiziell abgelehnt. Glücklicherweise fuhr im Laufe der Verhandlungen zufällig der Schweizer Konsul vorbei, dessen arabisch sprechender Bekannter uns durch einige Telefonanrufe eine Stufe "weiterschleusen" konnte.

Nach stundenlangen wortreichen Verhandlungen mit Dutzenden von schwerbewaffneten Sicherheitsbeamten an ebenso vielen Kontrollposten hatten wir - und speziell Blindenhund Leo - nachmittags um halb drei endlich Zugang zum "Zugänglichkeits"-Stand von "Zugang für alle“.


Ein UNO-Badge für Leo

Um nicht wie am vergangenen Tag wieder stundenlang in den zahlreichen Strassensperren und Sicherheitskontrollen hängen zu bleiben, gab es nur eine Lösung: Blindenhund Leo brauchte einen offiziellen Konferenz-Teilnahme-Badge von der UNO. Nur dadurch schien Leo sich gegenüber dem Wirrwarr verschiedener Sicherheits-Apparate von tunesischer Polizei, über Armee, Geheimdienst bis zur UNO-Security klar und eindeutig als autorisierter Teilnehmer des UNO-Weltinformationsgipfels ausweisen zu können.

Die internationale Telekommunikations-Union ITU hatte es im Vorfeld der Konferenz abgelehnt, RFID-Zugangsbadges für Tiere auszustellen. Dies sei wohl ein schlechter Scherz. Doch nach detaillierter Dokumentation der zahlreichen Zugangshürden für Konferenzteilnehmer mit Blindenhunden entschieden sich die Organisatoren, Blindenhund Leo kurzfristig doch noch zu akkreditieren und ihm einen Badge auszustellen. Auf die Frage seines Nachnamens bellte Leo ein „Wuff!“, worauf der englischsprachige Administrator ihn mit Leo Woof in die Konferenzdatenbank einspies. Damit ist Leo wohl der erste Blindenhund mit einem offiziellen UNO-Badge (Badge-Nr. 1060703, leo(at)access-for-all.ch, der Badge wird voraussichtlich ab Dezember auf Ebay zur Versteigerung aufliegen).

Natürlich war die Hinreise ins Konferenzgelände auch am darauf folgenden Mittwochmorgen nicht problemlos. Doch auf die wilden Proteste des Shuttle-Busfahrers, in seinem Fahrzeug keinen Hund zu dulden, wiesen die mitfahrenden Regierungsbeamten immer wieder auf den UNO-Badge hin: „OK, he is a dog, but he has a valid conference badge. Thus he has a right of transportation!“

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